Die neue CMS-Generation im Vergleich: Headless vs. Hybrid Headless

von Jan Schulte, Head of Group Consulting & Senior Solution Architect bei Magnolia International
Okt. 1, 2019 | 7 min.

Das Konzept eines Headless CMS ist nicht neu, aber es wird immer wichtiger für Unternehmen – vor allem bei Marketers, Entwicklern und Business Developern.

Warum und was dahintersteckt, stellt Jan Schulte, Head of Group Consulting bei Magnolia in diesem Beitrag vor.

Statista Prognosen gehen davon aus, dass bis 2020 30 Milliarden IoT-Geräte in Betrieb sein werden. Bis 2025 wird sich diese Zahl mehr als verdoppeln und die 75 Milliarden Marke erreichen. Dazu gehören intelligente Lautsprecher, Sensoren, Beacons, Digitale Außenwerbung, Kioske, VR-Headsets und viele mehr.

Mit dem Vormarsch der IoT-Geräte beginnen Unternehmen zu erkennen, dass traditionelle Content Management Systeme bei der Auslieferung von Content und Digital Experiences in den kommenden Jahren nicht mehr mithalten werden. 

Das liegt daran, dass ein traditionelles CMS nicht für die Darstellung von Inhalten auf Smart Wearables oder Connected Cars gebaut wurde und diesen Anforderungen nicht ausreichend gerecht werden kann. Diese Aufgabe übernehmen nun Headless Content Management Systeme.

Was ist ein Headless CMS?

Ein Headless Content Management System (CMS) ist ein Backend Content Management System und bildet die Basis für eine moderne, fortschrittliche Architektur von diversen Inhalten.

Ein Headless CMS ermöglicht es Unternehmen, Content einmalig zu produzieren und auf jedem Gerät oder Touchpoint ausspielen zu können. Eine RESTful-API dient dabei als Schnittstelle und ermöglicht die Anzeige auf jedem Endgerät in einer ansprechend aufbereiteten Form.

Mit älteren Backend CMS-Lösungen wie WordPress und Drupal sind Unternehmen gezwungen, aufgrund der starren und einseitigen Systemarchitektur ihren Content über Templates, der für Webbrowser entwickelt wurde zu veröffentlichen und zu präsentieren. Obwohl auch diese traditionellen Technologien Content an neue Channels senden können - wie zum Beispiel an intelligente Lautsprecher – ist es berechtigt zu behaupten, dass sie nie für solche Zwecke entwickelt wurden.

Ein Headless CMS hingegen benötigt keine Templates oder Themes (auch bekannt als "Heads" oder Frontend-Delivery-Layer) für den darin erstellten Content. Stattdessen werden Schnittstellen oder APIs (Application Programming Interfaces) verwendet, die es ermöglichen, dass zwei Technologien miteinander kommunizieren. So kann der vorlagenfreie Content aus dem Backend an jedes Gerät, Webseiten, Plattformen, Anwendungen oder Applikationen auf dem Markt gesendet werden. Selbst wenn sich die Anforderungen ändern, ist auch die Darstellung des Contents, von Smartwatches bis hin zu Virtual Reality Headsets und vielem mehr über eine API abbildbar.

Frontend-Entwickler können für jedes Device beliebig viele Vorlagen erstellen, so dass Unternehmen Content und im weiteren Sinne Digital Experiences auf neue Channels übertragen können. Kurz gesagt: Die Flexibilität in der Darstellung des Contents nimmt zu.

Das einzige Problem ist, dass ein typisches Headless CMS die Marketer oft im Regen stehen lässt.

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Vorteile des Headless CMS

  • Bereit für IoT-Gerät & Omnichannel: Ein Headless CMS verwendet APIs, um Content über APIs zu verbinden und darzustellen, unabhängig vom Channel. So kann eine Marke problemlos neue Channels und IoT-Geräte in ihr vernetztes Omnichannel-Ökosystem aufnehmen.

  • Einmalige Content-Erstellung: Mit einem Headless CMS können Marketers Inhalte einmal erstellen und unabhängig wechselnder Anforderungen für mehrere Channels wiederverwenden, wodurch Doppelarbeit vermieden wird.

  • Verkürzte Time-to-Market: Da der Content für neue Channels nicht dupliziert oder neu eingegeben werden müssen, verkürzt sich die Markteinführungszeit.

  • Weniger aufgeblähte Funktionen: Typischerweise konzentrieren sich die Funktionen eines Headless Content Management Systems auf Content Repository und Content Delivery System.

  • API-gesteuerte Architektur: APIs ermöglichen es dem CMS nicht nur, mit dem Frontend-Delivery-Layer zu kommunizieren, sie ermöglichen den Datenfluss auch in die andere Richtung. Dadurch können Unternehmen Daten von allen Touchpoints sammeln und für Personalisierungs- oder Marketingzwecke verwenden.

  • Sicherheit: Headless Content Management Systeme liefern Content in der Regel über ein Content Delivery Network (CDN), anstatt sie direkt aus der Datenbank zu senden. Das minimiert das Risiko eines Distributed Denial-of-Service (DDOS)-Angriffs.

Nachteile eines Headless CMS

  • Schlechte Usability für Marketers: Ohne WYSIWYG-Bearbeitung und Content-Preview wird es Marketingspezialisten und Autoren schwer fallen, ein Headless CMS allein zu verwenden. Tatsächlich führt das typischerweise zu einer "lost in tabs and cockpits" Erfahrung, die sowohl frustrierend als auch unproduktiv ist.

  • Aufblähung durch MarTech-Tools: Um eine Content-Erstellung zu ermöglichen, die Marketers nutzen können, müssen zusätzliche MarTech-Tools entwickelt werden.

  • Versteckte Kosten: Das Ersetzen eines vollständigen CMS durch ein Headless CMS kann viele Lücken hinterlassen - nicht nur an der MarTech-Front. Das Füllen dieser Lücken kann kostspielig werden.

Was ist ein Hybrid Headless CMS?

Ein Headless CMS ist ein hervorragendes Tool für Developer, da durch individuelle Programmierleistung, frontend-getriebener Content verwaltet, überall hin gesendet und sogar Daten von Geräten wie Sensoren, erfasst werden können. Was aber reine Headless CMS Systeme nicht leisten, ist den Marketers die Funktionen und Tools an die Hand zu geben, an die sie gewöhnt sind.

Der Ansatz eines Hybrid Headless CMS hingegen verbindet die Headless-Technologie mit der traditionellen, umfassenden CMS-Funktionalität und bietet Developern und Marketers das Beste aus beiden Welten.

Content kann erstellt, verteilt, gezogen und neu bereitgestellt werden - und Marketers können weiterhin benutzerfreundliche Drag-and-Drop-Schnittstellen nutzen, sowie die WYSIWYG-Bearbeitung, Contentvorschau, Rechteverwaltung, Asset-Management und das Workflow-Management.

Hybrid Headless Content Management Systeme werden auch als Decoupled Systems bezeichnet, da sie Content von der Frontend-Delivery-Layer "entkoppeln", ohne den "Kopf" vollständig aus der Gleichung zu entfernen, so dass Marketing-Templates und Autorentools weiterhin genutzt werden können.

Vorteile eines Hybrid Headless CMS

Ein Hybrid Headless CMS bringt also alle Vorteile eines Headless CMS mit sich und hat zusätzliche Vorteile:

  • Zufriedene Marketers: Ein Hybrid Headless CMS ermöglicht Marketers WYSIWYG-Bearbeitung, Contentvorschau, Inline-Bearbeitung, Personalisierungstools und alle weiteren Funktionen, die sie für die tägliche Arbeit benötigen.

  • Mehr Flexibilität für Developer: Da Marketers in einer hybriden Umgebung besser gerüstet sind, müssen Developer diese nicht mehr unterstützen.

Nachteile eines Hybrid Headless CMS

  • Anbindung zu Drittsystemen: Abhängig vom CMS-Anbieter kann es zu einem gewissen Grad zu einer Bindung an den Anbieter kommen, was bedeutet, dass Sie auf die Verwendung von Anwendungen und Tools beschränkt sind, die vom Anbieter entwickelt wurden. Um dies zu vermeiden, wird empfohlen auf ein Open Source Hybrid Headless CMS mit vielen bestehenden Integrationen zurück zu greifen.

Fazit: Reines Headless CMS vs. Hybrid Headless CMS:

Ein Hybrid Headless CMS bietet alle Vorteile eines reinen Headless CMS - ergänzt durch die "Full CMS" Fähigkeiten und Funktionen, die in einem traditionellen CMS zu finden sind. Gleichzeitig umgeht ein Hybridsystem die Probleme, die mit einem reinen Headless CMS verbunden sind.

Reine Headless CMS bieten zum Beispiel keine Funktionen wie Navigation, Sicherheit, Workflows, Zugriffskontrolle, Caching, Kategorisierung und Link-Management. Weil diese Funktionen entfernt wurden, müssen Unternehmen daher oft viel Zeit und Geld für das Schreiben, Integrieren und Pflegen dieser Funktionen investieren, um diese wieder herzustellen.

Hinzu kommen die oben genannten Einschränkungen, die ein Headless CMS für Marketing- und Business-User mit sich bringen. Dazu gehören keine WYSIWYG-Bearbeitung, keine Contentvorschau, keine Workflows und kein Rechtemanagement. Zudem sind die Personalisierungsfunktionen in einer reinen Headless-Umgebung nicht immer auf dem neuesten Stand, da sie den Content vollständig von der Darstellungsebene trennen. Das bedeutet, dass eine vollständige Content-Personalisierungs-Funktion neu geschrieben werden muss.

Vor diesem Hintergrund ist der hybride Ansatz die ideale Lösung, wenn ein Projekt die volle CMS-Funktionalität und einen tiefen REST-API-Zugang erfordert. Um es kurz zu machen:

Ein Hybrid Headless CMS kombiniert die Bereitstellung von Headless Content mit voller CMS-Funktionalität und ist ideal für Marketers, Developer als auch End User die eine hohe Flexibilität in der Nutzung über einer Vielzahl von Channels und Devices wünschen.

Die folgende Tabelle veranschaulicht noch einmal die wesentlichen Unterschiede zwischen einem reinen Headless CMS und einem Hybrid Headless CMS.

Headless CMS und Hybrid Headless im Vergleich

Das Hybrid Headless CMS von Magnolia

Viele digitale Vorreiter haben die Vor- und Nachteile von Headless CMS-Lösungen abgewogen und sich bei der Erstellung ihres Online-Auftritts für eine Headless-Architektur entschieden.

Mit dem Content Management System Magnolia sind Unternehmen in der Lage, ein Hybrid Headless CMS mit automatisiertem Content Tagging und einer Machine Learning gestützten Suche zu nutzen und beliebige Funktionen zu integrieren. Zudem können Autoren ihren Content einfach für mehrere Touchpoints mit der innovativen Stories-App erstellen. Dieser benutzerdefinierte Content Editor ermöglicht es Autoren, schnell und flexibel Content in Magnolia zu erstellen und zu veröffentlichen. 

Portrait von einem Mann der lacht

Über den Autor

Durch seine Arbeit an dem Schnittpunkt zwischen Betrieb und Technologie hilft Jan den Kunden von Magnolia, ihre Initiativen zu Content Management und Digital Experience zu meistern, indem er Lösungen entwirft, die ihren individuellen Herausforderungen und Möglichkeiten entsprechen.